Wie bitte geht’s auf den Weg in die Zukunft? Firmeninterne Querdenker fragen!

Dringender als jemals zuvor brauchen die Unternehmen jetzt unkonventionelle Ideengeber mit innovativen Gedanken, Mut und Tatendrang. Würden sich die Unternehmen mehr für ihre internen Freigeister öffnen und eine konstruktive Querdenkerkultur etablieren, täten sie sich mit dem Sprung in die Zukunft unglaublich leicht.

Zukunft beginnt mit neuem Denken, dem dann Taten folgen. Wo dabei „quer“, also breit und unkonventionell gedacht und gemacht werden darf, tauchen schnell die tollsten Lösungen auf: frisch, frech, unverbraucht, adaptiv, experimentell. So können Unternehmen auch in unvorhersehbaren Zeiten gut überleben.

Oft sind Querdenker die ersten, die instinktiv merken, wenn in der Firma was aus dem Ruder läuft. Sie sprühen vor Ideen, wie man das, was in die Jahre gekommen ist, besser machen könnte, sollte und müsste. Sie sind der Voraustrupp ins Neuland, Brückenbauer zwischen gestern und morgen. Sie bringen Metamorphosen in Gang.

Unternehmen brauchen eine ausgeprägte Querdenkerkultur

Querdenker wecken auf und machen wach, aber man muss den Wecker auch hören wollen. Was ihre Warnrufe sagen: Nicht Bewahrer, Hüter der alten Ordnung und des scheinbar Bewährten, sondern Erneuerer sind in heutigen Zeiten gefragt. Wenn der Außendruck steigt und der Wind von vorne kräftiger weht, dann bringt es rein gar nichts, die Schlagzahl zu steigern, also mehr vom Gleichen zu tun.

Nur ein Kurswechsel kann da noch helfen. Der technologische Fortschritt zwingt jeden dazu, sich immer wieder neu zu erfinden. Vor allem Entwicklungssprünge, Andersartigkeit und das einfallsreiche Neukombinieren von Möglichkeiten bringen von nun an Erfolg. So braucht es in der voranschreitenden Digitalökonomie nicht nur ein effizientes Innovationsmanagement, sondern auch eine ausgeprägte Querdenkerkultur.

Querdenker: gut für strategische und operative Zwecke

Querdenker sind erste Wahl, wenn es gilt, sich intern, also mit Blick auf die Mitarbeiter, und extern, also mit Blick auf die Kunden, besser für unsere Hochgeschwindigkeitszukunft zu rüsten. Sie können, sollen und müssen quer durch das gesamte Unternehmen tätig werden, um die Anbieter- und Arbeitgeberattraktivität unter die Lupe zu nehmen und alles Hinderliche aufzuspüren.

Auch punktuell sind sie hervorragend geeignet, einzelne Produktkategorien, gegebene Dienstleistungskonzepte und abgesteckte Verfahrensweisen auf den Prüfstand zu stellen. Insofern lassen sich Querdenker sowohl für strategische als auch für operative Zwecke gut nutzen.

Wahre Querdenker sind bereit, sich für ihre Firma mächtig ins Zeug zu legen. Sie polarisieren und scheuen nicht vor der Kontroverse zurück. Ihre Motivation? Nicht Ruhm, Ehre und Geld, vielmehr handeln sie aus Überzeugung. Machenschaften und Unlauterkeit sind gar nicht ihr Ding. Sie wollen Schwachstellen beseitigen, Alternativen aufzeigen und Altbewährtes zu einem besseren Neuen machen.

Werden Querdenker tatsächlich verzweifelt gesucht?

Weil Querdenker sich dem Konformismus, der in tradierten Organisationen weitläufig herrscht, nicht beugen, ist ihr Agieren riskant. „Wer sich zum Neuerer aufschwingt, macht sich die Nutznießer des alten Systems zu Feinden, während er in den möglichen Nutznießern des neuen Zustands nur lasche Verteidiger hat”, warnte schon der italienische Philosoph Niccolò Machiavelli.

Auch deshalb, weil sie stichhaltige Fragen stellen, Vertrautes in Zweifel ziehen, Untätigkeit schonungslos attackieren, ideenreich um die Ecke denken und scheinbar unumstößliche interne Glaubenssätze ins Wanken bringen, sind Querdenker wenig gelitten. Sie werden als „Unruhestifter“ und „Gefährder des Bestehenden“ apostrophiert.

Anstatt von ihnen zu profitieren, werden sie abgelehnt und angefeindet, gar zum Verräter an der gemeinsamen Sache erklärt. Und anstatt für ihre Hinweise dankbar zu sein, werden sie Nestbeschmutzer genannt. Das Resümee: Unternehmensinterne Querdenker würden dringend gebraucht. Und es gäbe sie reichlich. Doch in den meisten Firmen sind sie gar nicht erwünscht.

Tradierte Unternehmen reagieren auf Querdenker allergisch

Klassische Organisationen funktionieren wie ein Immunsystem. Mit all ihren Rollen, Richtlinien, Normen, Strukturen und Methoden versuchen sie, Stabilität zu erzeugen und eine feste Ordnung zu bewahren. Infolgedessen reagieren sie auf interne Querdenker ausgesprochen allergisch. Und je mehr starre Prozesse es gibt, desto geringer ist der Veränderungswille.

Sobald fremdes Neues an das alte prozessadipöse System andocken will, macht sich eine Horde von Killerzellen auf den Weg zur Attacke. Okay, mit Details kommt man durch. Wenn aber jemand am Grundverständnis rüttelt, Machtbefugnisse hinterfragt und Entscheidungsverfahren ad absurdum führt, reagieren die Betroffenen mit heftigem Widerstand und schwerem Geschütz.

At target, on budget, in time: Konformismus wird belohnt

Tradierte Unternehmen sind autoritäre Systeme. Karriere wird dort durch Anpassung gemacht. Anreizsysteme sorgen für die richtige Richtung. Wer seine Arbeit „at target, on budget, in time“ erledigt, eine Punktlandung auf vorgegebene Ziele schafft und Verfahrenstreue beweist, wird mit Boni und anderen Goodies belohnt. Wer sich hingegen querstellt und die in den Unternehmen geltenden Regeln nicht schnurstracks befolgt, wird sanktioniert.

Schaut man historisch zurück, ist das beileibe nichts Neues. Früher endeten die, die ein Herrschaftssystem oder die Weltordnung infrage gestellt und in großem Stil quer gedacht haben, in der Verbannung, am Galgen oder auf dem Schafott. Es sei denn, man schwor seinem „ketzerischen“ Vorgehen ab und unterwarf sich der Machthoheit.

Wer die eingefahrenen Abläufe stört, muss dafür büßen

Der Universalquerdenker Galileo Galilei musste seine Lehren vor dem Großinquisitor zu Rom widerrufen, um sein Leben zu retten. Das war 1633. Dieser Tradition folgt man, wie unzählige Berichte zeigen, in tradierten Unternehmen noch heute, wenn auch, klar, sehr viel subtiler. Wer die eingefahrenen Abläufe stört, Vorgaben missachtet und sich dem firmeninternen Verhaltensprotokoll widersetzt, hat mit Vergeltungsmaßnahmen zu rechnen.

Öffentliche Rügen, Diffamierung, Missachtung, das Verweigern von Vergünstigungen und Karriere, Zuteilung stupider Arbeit, Versetzung aufs Abstellgleis, Kündigung mit allen Schikanen: Diese und ähnliche Züchtigungsmaßnahmen sollen dabei helfen, Querdenkern die Flausen aus dem Kopf zu treiben. „Wer sich der vorgegebenen Ordnung nicht fügt, den können wir hier nicht gebrauchen“, erklärte man mir neulich.

Die beiden Top-Hindernisse auf dem Weg in die Zukunft

Das Verteidigen veralteter Strukturen und der Mangel an Querdenker-Akzeptanz sind die Top-Hindernisse auf dem Weg in die Zukunft. Beides hängt eng miteinander zusammen. In Vorreiter-Unternehmen, also denjenigen, die gut unterwegs sind, sind Querdenker hochwillkommen. Und anderswo? Wo Querdenker nicht aktiv werden dürfen, verstärken sich die Beharrungstendenzen — und damit droht der schnelle Weg in die Versenkung.

Wie man sich davor schützt? Selbst dann, wenn Sie derzeit erfolgreich am Markt unterwegs sind: Identifizieren Sie Ihre Querdenker und starten Sie mit ihnen als Vorhut zügig einen Prozess mit dem Ziel, sich von innen heraus neu zu erfinden, um konkurrenzfähig zu bleiben und zukunftssicher zu werden. Wie das gelingt, habe ich in meinem neuen Buch “Querdenker verzweifelt gesucht” praxisnah und ausführlich beschrieben.

Die Bibliographie

Anne M. Schüller
Querdenker verzweifelt gesucht — Warum die Zukunft der Unternehmen in den Händen unkonventioneller Ideengeber liegt
Mit einem Vorwort von Gunter Dueck
Gabal Verlag 2020, 240 Seiten, 29,90 Euro, ISBN: 978–3–86936–998–3
Zur Bestellung: https://blog.anneschueller.de/shop-querdenker-verzweifelt-gesucht/

Über die Autorin

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Zu diesen Themen hält sie Impulsvorträge auf Veranstaltungen und Fachkongressen. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Vom Business-Netzwerk LinkedIn wurde sie zur Top-Voice 2017/2018 und von Xing zum Spitzenwriter 2018 gekürt. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager und zertifizierte Orbit-Organisationsentwickler aus. www.anneschueller.de

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Top-Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Ihr Top-Titel: Die Orbit-Organisation

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